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Blühender Garten anstelle des Schuttbergs

Eilsleben, den 24.10.2018

Ein geschichtsträchtiges Haus ist aus dem Eilsleber Ortsbild verschwunden. Das Wohnhaus am ehemaligen Hof Pinkernelle wurde abgerissen.

 

Vom alten Fachwerkhaus in der Eilsleber Wilhelmstraße ist nur noch ein Schuttberg übriggeblieben. Lange Jahre stand das denkmalgeschützte Wohngebäude ungenutzt an einer der meist befahrenden Straßen des Ortes. Aus Sicherheitsgründen musste es eingerissen werden.

Das alte Wohnhaus hätte Geschichten erzählen können. Hier wohnten zuletzt bis in die 1980er Jahre in der Saison noch die auf der Vosswelle im Auftrag des Landesmuseums Halle tätigen Ausgräber und Archäologen. Vor allem war es aber nach dem Krieg Wohnstätte der Großbauernfamilie Pinkernelle. Die hatte vorher den Hof bewirtschaftet, der jetzt vom Gemeindebauhof genutzt wird, und dort auch in einem später abgerissenen Wohnhaus gelebt. Nach Kriegsende mussten aber einige der Familie hinter Gitter, weil bekannt geworden war, dass sie heimlich Waffen bei anderen Eilslebern ausgelagert hatten. Nach ihrer Rückkehr mussten sie in das wesentlich kleinere Fachwerkhaus in der Wilhelmstraße umziehen.

Neben Vater und Mutter Pinkernelle lebten in Eilsleben die Brüder Otto, Hermann, Fritz, Herbert und Alfred sowie deren Schwester Liesbeth. Der Eilsleber Heimatforscher Günter Wagener, der etliche alte Fotos von der Familie in seinem Archiv aufbewahrt, weiß zu berichten: „Bis auf den Ältesten war keiner der Brüder verheiratet. Es lag wohl daran, dass sie keine Braut fanden, die auch entsprechend viel Ackerland mit in die Ehe bringen konnte. So blieben sie unter des Bezeichnung ‚Gebrüder Pinkernelle‘ eine reine Männerwirtschaft.“ Ihr Hof ging in das Eigentum der LPG über. Die hielt hier Milchkühe, die von dem Ehepaar Malkowski versorgt wurden.

Als das alte Fachwerk in der Wilhelmstraße dem Boden gleichgemacht war, meldete sich ein Kaufinteressent bei der Gemeinde Eisleben als Eigentümerin. Es gab bei der Entscheidung über den Verkauf einige unterschiedliche Meinungen dazu. „Der Rat hatte eine andere als der Bürgermeister“, erinnert sich der Abgeordnete Gunter Czyrnik, „was die Sache verzögerte und bis heute Eilsleben einen Schandfleck verschafft.“

Doch letztlich ging das Grundstück doch an den Eilsleber Interessenten, der nach seiner Aussage hier nun einen Garten einrichten will und dieser Tage mit der weiteren Beräumung begann.

 

Foto: Das denkmalgeschützte Wohnhaus stand seit den 1980er Jahren leer.

 

Text und Foto: Hartmut Beyer - Volksstimme

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Blühender Garten anstelle des Schuttbergs