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Bagger schafft in Eilsleben Platz für vier Wohnhäuser

Eilsleben, den 16.02.2022
Das ehemalige LPG-Gehöft an der Siegerslebener Straße, Ecke Bauerweiden, in Eilsleben wird plattgemacht. Die Abrissarbeiten haben begonnen. Sie laufen über private Hand, ebenso wie die Neubebauung.

 

Einmal mehr wird sich das Eilsleber Ortsbild nachhaltig verändern. Das Bedauern über den Abriss allerdings hält sich in Grenzen. Allzu lange schon hatte das Grundstück vor sich hin vegetiert und insbesondere die augenfällige einstige Bauernprachtvilla eine eher liderliche Optik ausgestrahlt.

Fest steht nun: Das Anwesen „Hof Petschelt“ wird für immer aus der Dorfansicht verschwinden. Der Komplettabriss hat rund um das Haupthaus dieser Tage begonnen. Doch auch der Villa hat das letzte Stündlein geschlagen. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück wird nahezu komplett eingeebnet, und es entsteht neuer Wohnraum, wie Bauherr Mike Brieczky gegenüber Volksstimme bestätigt: „Ich schätze, die Abrissarbeiten werden noch etwa zwei Wochen andauern. Im nächsten Schritt werden die Flächen dann beräumt, vermessen und neu entwickelt. Straßenbegleitend bauen wir hier vier einzelne Wohnhäuser und hintenan wahrscheinlich noch ein Reihenhaus.“

 

Zuschlag am Fuchsberg verpasst

Brieczky ist Eggenstedter und dort Inhaber einer Baufirma. Er hat den alten LPG-Hof gekauft, ist somit Eigentümer, abriss- und bauausführende Instanz in Personalunion. „Ich habe mich schon länger in der Gegend und auch in Eilsleben nach einer solchen Möglichkeit umgeschaut“, sagt er. So hätte er auch Interesse am ehemaligen Landambulatorium am Fuchsberg gehabt. „Aber als ich davon erfahren habe, dass es zum Verkauf steht, hatte sich das bereits erledigt. Da war ich einfach zu spät dran.“ Hier nun habe das Timing gepasst. Dies offenbar auch in allgemeinerer Hinsicht, denn die Nachfrage sei enorm: „Alle vier Häuser sind reserviert und weitere Interessenten auf der Liste, obwohl wir noch gar nicht richtig begonnen haben.“

 

Gemeinde hätte selbst gern investiert

Bürgermeister Manfred Jordan begrüßt die Initiative und ist zuversichtlich, dass unter der Verantwortung von Mike Brieczky etwas Gutes für den Ort entsteht: „Als Bauunternehmer verfügt er natürlich über die optimalen Voraussetzungen und Ressourcen, schon allein was die schwere Technik angeht. So ein Abriss ist ja doch eine sehr aufwendige Sache. Einerseits ist es zwar schade, dass so ein alter Hof verschwindet. Aber andererseits ist nun mal auch 30 Jahre lang nicht viel passiert außer Leerstand und Verfall. Ich finde es aus Gemeindesicht daher gut, dass sich hier jetzt was tut.“

Gern, so räumt Jordan weiter ein, hätte die Gemeinde auch selbst in das Grundstück investiert. „Aber die Eigentümer wollten nicht an uns verkaufen beziehungsweise sind wir uns nicht über den Preis einig geworden. Für die Gemeinde war das seinerzeitige Angebot zu teuer.“

 

Enteignung, LPG und Rückgabe

Der Petscheltsche Bauernhof hatte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wechselhafte Geschichte erlebt. Im Zuge der staatlichen Neuordnung nach dem Krieg wurde der Bauer enteignet und sein Besitz in LPG-Hände übergeben. Volks- oder Gemeinschaftseigentum sozusagen, wie es in der DDR Usus war. „Nach der Wende erhielt die Alteigentümerfamilie Haus und Hof und Ackerland zurück“, weiß Manfred Jordan, „doch es kam zu keiner wirklichen Nutzung mehr – wohl auch, weil immer nur der dazugehörige Acker und nicht auch der Hof verpachtet wurde. Das hätte man vielleicht anders lösen sollen, damit sich auf dem Hof jemand niederlässt und sich um das Grundstück kümmert.“

 

Foto: Der Abrissbagger schwingt den Arm über der Peripheriebebauung entlang der Siegerslebener Straße. Auch das Haupthaus im Hintergrund wird aus dem Ortsbild verschwinden.

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme

 

Bild zur Meldung: Bagger schafft in Eilsleben Platz für vier Wohnhäuser